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Was sind die Tarifanwendungsfälle
eines intelligenten Messsystems?

Discovergy Blog im Überblick

Mieter oder Vermieter: Auswahlrecht des Smart Meters


Von Susanne Kuhn. Freitag, 21.01.2022


Tarifanwendungsfälle sind die Grundlage für Smart Meter: Was bedeutet das und wann kommt welcher zum Einsatz?


Tarifanwendungsfälle – einige haben bereits davon gehört, doch die wenigsten wissen genau, was dahintersteckt. Dabei ist es gerade in Zeiten der Digitalisierung und den steigenden Stromkosten bedeutend, einen Blick auf die bestehenden Tarifanwendungsfälle und deren Funktion in einem Smart Meter zu werfen, um zu wissen, wie diese funktionieren und welche Möglichkeiten sich für Kunden ergeben können.


Was sind Tarifanwendungsfälle?


Ein Tarifanwendungsfall (TAF) ist eine einstellbare Funktion in einem Smart Meter Gateway, das Parameter und Datensätze enthält. Was kompliziert klingt, lässt sich anhand eines Beispiels auf einfache Weise erklären: Während in etwa einer Waschmaschine mehrere Programme oder Funktionen konfiguriert sind, die unter anderem für die Vorwäsche oder das Schleudern verantwortlich sind, verfügen auch intelligente Messsystem über mehrere Funktionen oder Tarifanwendungsfälle, die etwas für die Erfassung des Zählerstandes alle 15 Minuten oder Abbildung zeitvariabler Tarife zum Einsatz kommen.


Diese sind zwei der in einem intelligenten Messsystem vorhandenen Tarifanwendungsfälle. Zusammen beschreiben sie den Funktionsumfang von intelligenten Messsystemen, der vom Bundesamt für Sicherheit (BSi) und das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) festgelegt wird. Das Ziel dabei ist, regulatorische Standards auf dem Markt zu implementieren.


Was wird durch die Tarifanwendungsfälle geregelt?


Durch die TAFs wird also festgelegt, in welcher Häufigkeit und Auflösung das intelligente Messsystem dessen Messwerte übertragt. Oder anders gesagt: Welche Verbrauchs- oder Leistungsmesswerte zu welchem Zeitpunkt und eventuell mit welche Steuersignale für Energieerzeuger oder Verbraucher von Smart Metern gesendet werden.


Hinter diesen verschiedenen Varianten, mit denen der Energieverbrauch erfasst wird, verbergen sich unterschiedene Use Cases oder energiewirtschaftliche Anwendungsfälle. Der erste Tarifanwendungsfall – auch TAF 1 genannt – trägt den Namen „datensparsame Tarife“ und entspricht in etwa der jährlichen oder monatlichen Fernablesung des Zählers. Durch TAF 2 werden „zeitvariable Tarife“ abgebildet, während bei TAF 6 Messwerte im Bedarfsfall und bei TAF 7 (Zählerstandsgangmessung) Zählerstände in einem zeitlichen Fenster von jeweils 15 Minuten erfasst werden. Diese sind die TAFs – also 1, 2, 6 und 7 –, die derzeit von unserem intelligenten Messsystem mit Gateway unseres Partners Sagemcon Dr. Neuhaus abgebildet werden können. Unser künftig zertifiziertes Gateway Meteroit 4.0 wird aller Voraussicht nach zusätzlich über TAF 9, 10, 14 verfügen.


Wie viele Tarifanwendungsfälle gibt es insgesamt?


Insgesamt gibt es 14 Tarifanwendungsfälle, die in der Tabelle unterhalb dieses Artikels aufgelistet sind. Aber nicht alle werden im Smart Meter konfiguriert, sondern werden je nach Bedarf des Kunden in das Gateway vorprogrammiert.


Ausgerechnet der letzte, TAF 14, ist eine für die Zukunft immer wichtig werdender Anwendungsfall, worauf Discovergy immer ein besonderes Augenmerk gelegt hat: Hier geht es um eine hochfrequente Bereitstellung von Messwerten, die als Grundlage von Mehrwertdiensten wie zum Beispiel die Visualisierung der Messdaten in einem Portal oder einer App dienen sollen.


Was bedeuten die Tarifanwendungsfälle in der realen Welt?


Es mag sich alles ziemlich abstrakt anhören, aber hinter jedem TAF verbirgt sich eine konkrete Dienstleistung für den Kunden: Durch TAF 1 (datensparsame Tarife) wird der jährliche Gang in den Keller zur Ablesung des alten, analogen Zählers durch eine komfortable und fehlerfreie Fernablesung ersetzt. Mit TAF 2 (zeitvariable Tarife) kann der Kunde eines Smart Meters beim Energieversorger zeitlich variable Tarife auswählen und Stromlasten in günstigere Phasen verschieben – ähnlich dem Konzept des Hoch- und Niederstromtarifes, bei dem der Stromzähler nachts auf den günstigeren Niederstromtarif gesprungen ist.


TAF 6 ist unter anderem für Mieter interessant, da dieser eine Übermittlung von Messwerten im Bedarfsfall durch den Smart Meter ermöglicht. Zieht beispielsweise ein Mieter aus, kann der Zählerstand am Ende seines letzten Tags in dem Mietobjekt abgerufen und dem Energieversorger zur Verfügung gestellt werden. Ein weiterer Tarifanwendungsfall ist die 7. Die Zählerstände werden alle 15 Minuten erfasst. Aus der Differenz wird der Lastgang bzw. Verbrauch gebildet, der in der Messstelle stattgefunden hat. Da der Smart Meter mit dem Internet verbunden ist, werden die gemessenen Daten selbstständig an den Messstellenbetreiber gesendet.


Gerade in Zeiten, wo Strom immer teurer wird, ist es für Kunden von äußerster Wichtigkeit zu wissen, wo die Stromverbraucher im Haushalt oder Unternehmen sind. Und hier kommt TAF 14 (Hochfrequente Messwertbereitstellung für Mehrwertdienste) zum Einsatz. Dieser kann durch die Erfassung und Übertragung von hochaufgelösten Daten Mehrwerte für den Kunden schaffen. Zum Beispiel, indem Messwerte allumfassend auf einem Energieportal wie dem von Discovergy visualisiert werden oder anhand der Geräteerkennung Stromfresser aufgespürt oder identifiziert werden.


Noch einmal zum Reinhören: Alles Rund um die Tarifanwendungsfälle




Alle Tarifanwendungsfälle auf einem Blick


TAF 1: Datensparsame Tarife. Auslesen von Zählerstand auch als Summe von Verbrauch und Einspeisung mehrerer Zähler (minimale Auflösung: ein Zählerstand pro Monat).


TAF 2: Zeitvariable Tarife. Zeitabhängiger Stromtarif für mehrere Tarifstufen (ähnlich heutigem HT/NT-System).


TAF 3: Lastvariable Tarife. Leistungsabhängiger Stromtarif für mehrere Laststufen: Die für die jeweilige Stufe zugrundeliegende Leistung kann durch den Istwert oder durch einen Mittelwert bestimmt werden.


TAF 4: Verbrauchsvariable Tarife. Einteilung der verbrauchten Energie in Verbrauchsstufen, wobei jede Stufe ein Mengenkontingent aufweist: Ist das Kontingent einer Stufe überschritten, wird zur nächsthöheren gewechselt.


TAF 5: Ereignisvariable Tarife. Ereignisabhängiger Stromtarif in definierten Tarifstufen: Die Ereignisse können SMGW-intern oder durch einen externen berechtigten Akteur hervorgerufen werden.


TAF 6: Ablesung von Messwerten im Bedarfsfall. Für nicht planbare Situationen wie Umzug, Lieferantenwechsel etc. werden für die letzten 6 Wochen tägliche Messwerte vorgehalten.


TAF 7: Zählerstandsgangmessung. Erfassung (im Takt der Registerperiode) und Versendung von Zählerstandsgängen (Verbrauch und Erzeugung).


TAF 8: Erfassung von Extremwerten. Min.- bzw. Max.-Leistung im Abrechnungszeitraum wird durch den jeweiligen Leistungsmittelwert je Registereintrag gebildet (Verbrauch und Erzeugung).


TAF 9: Abruf der Ist-Einspeisung. Leistungsabfrage im Rahmen einer Energiemanagementmaßnahme (darf nicht zu Abrechnungszwecken verwendet werden).


TAF 10: Abruf von Netzzustandsdaten. Periodisch oder bei Ereignis (Über- oder Unterschreitung eines Schwellwertes).


TAF 11: Steuerung von unterbrechbaren Verbrauchseinrichtungen und Erzeugungsanlagen. Bei Steuersignal oder weiteren externen Ereignissen werden der Zeitpunkt sowie der aktuelle Zählerstand festgehalten.


TAF 12: Prepaid-Tarif. Es wird eine bestimmte Energiemenge bereitgestellt und bei Überschreiten bzw. einem definierten Schwellwert ein Signal an EMT und Kunde generiert.


TAF 13: Letzverbraucher-Visualisierung. Alternative Bereitstellung der Messwerte an der WAN- anstatt der HAN-Schnittstelle für die Visualisierung.


TAF 14: Hochfrequente Messwertbereitstellung für Mehrwertdienste. Visualisierung von hochaufgelösten Daten und Realisierung von darauf aufbauenden Dienstleistungen.



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Kategorien:  Smart Meter, Energiesparen.


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